Gedenkfeier für Hanne Henkens

Auf Einladung der AWO Schleswig-Holstein wurde am 25. Oktober im Kirchspielkrug unserem Ehrenbürgermeister und Ehrenvorsitzenden Hanne Henkens gedacht. Zuvor wurde das AWO-Service-Haus in Johannes-Henkens-Hus umbenannt.

Unser Bundestagsabgeordneter und Gemeindevertreter Truels Reichardt durfte im Rahmen der Veranstaltung ein Grußwort halten:






Grußwort zum Gedenken an Hanne Henkens

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin,

lieber Wolfgang Baasch, Michael Selck und Thomas Claussen,

sehr geehrte stellvertretende Landrätin, Amtsvorsteherin und stellvertretende Bürgermeisterin, liebe Tordis, Eva-Maria und Sabine,

werte Mitgäste und ganz besonders:

liebe Familie Henkens,

wir sind heute hier, um eines Menschen zu gedenken, der nicht nur ein Bürgermeister, ein großer Sozialdemokrat oder AWO-Vorsitzender war – sondern ein Antreiber, ein Macher, ein Vorbild.

Hanne wurde am 26. August 1927 in Mildstedt geboren.
Er hat fast ein ganzes Jahrhundert erlebt und mitgestaltet.
Als er 2020 im Alter von 92 Jahren verstarb, hinterließ er eine Lücke, die man nicht einfach schließen kann –
weil sie von jemandem stammt, der über Jahrzehnte das Gesicht seiner Gemeinde geprägt hat.

Hanne hat Mildstedt aus einem Dorf, das – wie er selbst immer betont hat – noch keine Kanalisation hatte als er Bürgermeister wurde – zu einer aufstrebenden, modernen Gemeinde gemacht. Er hat Mildstedt mit Tatkraft entwickelt. Er war nicht nur beim Ausbau der Kinderbetreuung seiner Zeit voraus, sondern hat mit seiner Weitsicht auch dafür gesorgt, dass wir hier in Mildstedt den Naturerlebnisraum haben. Von dem Naturerlebnisraum profitiert auch die Umgebung als Naherholungsort. Und durch die vorhandenen Ökopunkte ist das weitere Wachsen Mildstedts auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik untrennbar mit Hanne verbunden. Janne hat durch den Ausbau der Schule mit dafür gesorgt, dass wir einen so tollen und in der Region anerkannten Schulstandort haben. Die gemeindeeigenen Wohnungen mit dem AWO-Servicehaus sind einfach Gold wert. Viele beneiden uns um diese von Hanne geschaffene Infrastruktur für alle Generationen. Ich bin geehrt bei der Umbenennung der Servicehauses in „Johannes Henkens-Hus“ dabei gewesen zu sein und hier sprechen zu dürfen.

Hanne stellte große Teile seiner Kraft der Allgemeinheit zur Verfügung mit einer Weitsicht, von der sich die große Politik eine Scheibe abschneiden kann.


1946, mit gerade einmal 18 Jahren, trat er in die AWO und in die SPD ein.
Das war kein leichter Zeitpunkt – das Land lag in Trümmern, und die Demokratie war noch ein zartes Pflänzchen.
Aber er war überzeugt davon, dass man sie pflegen muss.

Und er blieb dabei – 74 Jahre lang.
Das allein ist bemerkenswert.
Doch Hannes Engagement ging weit über unzählige Funktionen und die große Treue zur AWO und zur SPD hinaus.
Er war ein echter Kommunalmensch: jemand, der wusste, dass Politik nicht in großen Reden, sondern im alltäglichen Tun stattfindet.

Ab 1955 war er mit kurzer Unterbrechung Mitglied des Gemeinderats Mildstedt,
und ab 1970 bis zum Jahr 2000 war er ehrenamtlicher Bürgermeister – also drei Jahrzehnte an der Spitze seiner Gemeinde.
Im Jahr 2000 wurde er zum Ehrenbürgermeister ernannt – eine Auszeichnung neben unzähligen weiteren, die zeigt, wie tief sein Wirken in Mildstedt verwurzelt war.

Wer Hanne kannte, wusste:
Für Ihn gehören Sozialdemokratie und Arbeiterwohlfahrt zusammen

Er sah in der SPD und in der AWO zwei Seiten derselben Medaille:
die eine kämpft politisch für bessere Bedingungen,
die andere sorgt, dass niemand zurückgelassen wird.

Da, wo die Partei diskutiert, da handelt die AWO.
Da, wo Beschlüsse gefasst werden, sorgt die AWO dafür, dass sie bei den Menschen ankommen.

Die AWO war für Hanne Herzenssache, gelebte Solidarität.
Was Hanne auch hier gemeinsam mit anderen aufgebaut hat, sucht seines gleichen.

Hanne gründete mit anderen Engagierten den AWO-Ortsverein Mildstedt neu und war über viele Jahre hinweg seine treibende Kraft. Die unfassbare Größe des Ortsvereins mit über 1000 Mitgliedern spricht für sich.

Das zu erreichen war wie in seinem gesamten Wirken nur möglich durch Hannes Leidenschaft und Hartnäckigkeit.

Und da kann man sich auch als politisch Aktiver mit jüngerem Lebensalter etwas abgucken.

Die aktive Zeit von Hanne und von mir hat sich nicht überschnitten. Da ist der Altersunterschied zu groß. Als Hanne das Bürgermeisteramt aufgab, ging ich hier noch nebenan in den Kindergarten und stand kurz vor der Einschulung.

Aber altgediente Genossinnen und Genossen in der SPD erzählen noch heute, wie Hanne nach Kiel gefahren und den verantwortlichen in den Ministerien aufgelauert ist und so lange dran geblieben ist, bis er das hatte, was er für sein Dorf erreichen wollte.

Diese Hartnäckigkeit ist eine Eigenschaft, die man als Mildstedter Sozialdemokrat in die DNA eingepflanzt bekommt. Das hat auch mir kommunalpolitisch schon geholfen und wird beim Bohren dicker Bretter in Berlin sicherlich weiter hilfreich sein.

Und mir ist neben den vielen Sitzungen des Ortsvereins, an den Hanne auch noch im hohen Alter rege teilnahm ganz besonders noch ein Moment aus dem Jahr 2018 präsent. Damals habe ich meinen ersten Kommunalwahlkampf als Kandidat geführt. Ich stand mit einigen Mitstreitern vor dem EDEKA und Dreimühlen und habe Flyer und Rosen verteilt. Als wir gerade im Begriff waren, abzubauen, kam Hanne zum Einkaufen vorgefahren. Und in Nullkommanichts schnappte er sich Flyer und Rosen und die Wahlkampfmaschine Hanne Henkens flammte auf. Die Leute wussten gar nicht, wie ihnen geschieht.

Auch noch im hohen Alter war Hannes Leidenschaft erkennbar.

Leute wie Hanne es war haben unter schwierigen Rahmenbedingungen dieses Land aufgebaut – nicht nur im Ehrenamt, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes im Beruf als Schachtmeister.

Wir haben dieser Generation – diesen Männern und Frauen – unseren Wohlstand und unsere Art zu leben zu verdanken.

In Zeiten, in denen das von innen und von außen angegriffen wird, sollten wir uns das immer wieder bewusst machen. Es gibt nicht nur etwas zu bewahren, sondern zu verteidigen.

Hanne hat dabei in und für Mildstedt ein unvergleichbares Lebenswerk geschaffen. Darauf können aktuelle und zukünftige Generationen aufbauen.

Liebe Familie Henkens, ich kann mir vorstellen, dass das für das Familienleben nicht immer ganz einfach war. Aber ihr könnt stolz darauf sein, was Hanne geleistet hat.

Als Mitglied von AWO und SPD und als Mildstedter bin ich das auch.

Vielen Dank, Hanne.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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